Natura 2000

Das Natura 2000-Schutzgebietsnetzwerk

Der Schutz und die Bewahrung des gemeinschaftlichen europäischen Naturerbes zählen zu den großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Die bisherigen Strategien gegen das Artensterben und den Verlust an Lebensräumen, wie zum Beispiel die Ausweisung von Naturschutzgebieten oder gesetzliche Nutzungseinschränkungen, haben zwar viel bewirkt, sind aber insgesamt unzureichend.

Um die Vielfalt an Lebensräumen, Tier- und Pflanzenarten langfristig zu bewahren sind koordinierte, länderübergreifende Schutzmaßnahmen – verbunden mit einem generellen Umdenken in der Landnutzung – erforderlich. Durch die gesetzliche Verankerung des Schutzes gefährdeter Lebensräume, Tier- und Pflanzenarten hat die Europäische Union einen wichtigen Schritt in diese Richtung gesetzt: Zwei Richtlinien (Fauna-Flora-Habitat- und Vogelschutz-Richtlinie) verpflichten die Mitgliedsländer zum Schutz gefährdeter Arten und Lebensräume in einem europaweiten Schutzgebiets-Netzwerk (Natura 2000), um so den voranschreitenden Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen.

Damit stellt Natura 2000 einen Meilenstein in der europäischen Naturschutzpolitik dar - für die Mitgliedsländer der Europäischen Union zugleich aber auch die große Herausforderung, die beiden Richtlinien erfolgreich umzusetzen und die Chancen von Natura 2000 zu nutzen.

Natura 2000 in Niederösterreich

Niederösterreich hat 20 Gebiete gemäß Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (kurz: FFH-Gebiete) und 16 Gebiete gemäß Vogelschutz-Richtlinie (kurz: Vogelschutz-Gebiete) in das europäische Natura 2000-Schutzgebietsnetzwerk eingebracht, die insgesamt rund 23 % der Landesfläche umfassen. Zwischen FFH- und Vogelschutz-Gebieten kommt es zu zahlreichen Überlappungen, weil etliche Gebiet gemäß beider Richtlinien ausgewiesen wurden. Der Einfachheit halber wird daher generell von Europaschutzgebieten gesprochen.

Auch am Grünen Band wurden etliche Europaschutzgebiete ausgewiesen, was den hohen naturschutzfachlichen Wert der Grenzregion widerspiegelt.

Ganz im Nordosten Niederösterreichs liegen die Europaschutzgebiete „Waldviertler Teich-, Heide- und Moorlandschaft“ (FFH-Gebiet) und Waldviertel“ (Vogelschutz-Gebiet). Die Landschaft des Waldviertels ist durch flachwellige Hochflächen, Mulden, Kuppen und Hügel gekennzeichnet. Den geologischen Untergrund bilden die Urgesteine der Böhmischen Masse, die zugleich auch das Ausgangsgestein für die sauren Böden bilden. Charakteristisch sind die Felsburgen und Granitrestlinge, zum Teil als mächtige „Wackelsteine“ ausgebildet, die durch die Verwitterung des Granits entstanden sind. Naturschutzfachlich besonders bedeutsam sind die Moore im nordwestlichen Waldviertel sowie die zahlreichen Bäche, welche die Landschaft durchziehen und häufig von Au- und Schluchtwäldern, Hochstaudenfluren und Wiesengebieten begleitet werden. Doch auch die traditionell bewirtschaftete Kulturlandschaft mit den oft kleinräumig wechselnden Fluren, Hecken und Rainen beheimatet zahlreiche, teils gefährdete Tierarten wie die Heidelerche oder den Neuntöter.

 

Das im Übergangsbereich vom Waldviertel ins Weinviertel gelegene Europaschutzgebiet „Thayatal bei Hardegg“ (FFH-Gebiet) umfasst das Tal der Thaya und das südlich anschließende Weitersfelder Hochland. Der zentrale Bereich des Gebietes genießt als Nationalpark einen besonderen Schutz. Geprägt wird das Gebiet durch die Thaya, dem Grenzfluss zu Tschechien, der hier eine der letzten längeren natürlichen Flussstrecken Mitteleuropas mit Schluchten, Mäanderabschnitten und tiefen Taleinschnitten durchfließt. Die steilen, teilweise schwer zugänglichen Hänge sind überwiegend bewaldet. Vor allem an den Hangkanten sind immer wieder meist kleinflächige, waldfreie Trockenstandorte mit einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt in die Wälder eingestreut. Auf den Talbodenbereichen befinden sich teils ausgedehnte Wiesen.

 

Das Europaschutzgebiet „Westliches Weinviertel“ (FFH- und Vogelschutz-Gebiet) umfasst einerseits artenreiche Trockenrasen mit zahlreichen floristischen Besonderheiten. Andererseits sind auch landwirtschaftlich genutzte Kulturlandschaftsflächen Teil des Schutzgebiets. Sie sind ein wichtiger Lebensraum für bodenbrütende Vogelarten, darunter auch die gefährdete Großtrappe, die im westlichen Weinviertel das bedeutendste Vorkommen in Niederösterreich hat.

Das Europaschutzgebiet „Weinviertler Klippenzone“ (FFH-Gebiet) umfasst vier Teilgebiete, eines davon nördlich von Poysdorf am Grünen Band gelegen. Die Kalkklippen bilden einen starken Gegensatz zur umgebenden, meist intensiv landwirtschaftlich genutzten Landschaft. Zu den Besonderheiten der Klippenzone zählen die artenreichen Trockenrasen, Lebensraum für zahlreiche, teils gefährdete Schmetterlings- und Heuschreckenarten.

 

Das Europaschutzgebiet „March-Thaya-Auen“ (FFH- und Vogelschutzgebiet) wird durch die beiden Tieflandflüsse Thaya und March geprägt, die in diesem Bereich die Grenze zu Tschechien bzw. zur Slowakei bilden. Beide Flüsse weisen eine hohe Dynamik mit regelmäßigen Überschwemmungen auf, welche die Aulebensräume prägen. Neben naturnahen Auwäldern finden sich im Gebiet auch ausgedehnte, teils artenreiche Wiesen. Die Altarme der Flüsse sind besonders bedeutsam für Amphibien, darunter europaweit gefährdete Arten wie die Rotbauchunke oder der Donaukammmolch. Doch auch für die Vogelwelt hat das Gebiet eine besonders hohe Bedeutung.

Die Europaschutzgebiete „Pannonische Sanddünen” (FFH-Gebiet) und „Sandboden und Praterterrasse” (Vogelschutz-Gebiet) erstrecken sich über Teile des sonst sehr intensiv ackerbaulich genutzten Marchfeldes. Die Sande wurden während der letzten Eiszeit von den mächtigen Kies- und Sandbänken der Donau und der March angeweht und bilden heute ökologisch wertvolle Sandstandorte mit Trockenrasen, Wachholderheiden und wärmeliebenden Wäldern. Die pannonischen Sanddünen zählen zu den wertvollsten Lebensräumen Österreichs. Vogelkundlich ist das Gebiet vor allem für die weltweit gefährdete Großtrappe interessant, die auf großflächige Offenländer angewiesen ist.

Das Europaschutzgebiet „Donau-Auen östlich von Wien“ (FFH- und Vogelschutz-Gebiet) umfasst die größte zusammenhängende Auenlandschaft Mitteleuropas mit einer freien Fließstrecke der Donau. Aufgrund der hohen ökologischen Bedeutung wurde das Gebiet 1996 zum Nationalpark erklärt. Die hohe Flussdynamik mit jährlich wiederkehrenden Überschwemmungen schafft die typischen Aulebensräume wie Kies- und Schotterbänke, Uferanbrüche und Altarme, die zahlreiche gefährdete Arten wie die Rotbauchunke, den Donaukammmolch oder die Europäische Sumpfschildkröte beherbergen. Besonders bedeutsam sind auch die naturnahen Auwälder mit ihren totholzreichen Altbaumbeständen, die den Lebensraum für zahlreiche Arten an Fledermäusen, Spechten, Eulen und Greifvögeln darstellen.

 

Das Europaschutzgebiet „Hundsheimer Berge“ (FFH-Gebiet) liegt am rechten Donauufer nahe der slowakischen Grenze und hat vor allem dank seiner artenreichen Trockenrasen sowie der ausgedehnten Eichen-Hainbuchenwälder eine besondere naturschutzfachliche Bedeutung. Von den Tierarten sind vor allem die Schmetterlinge mit einem besonderen Artenreichtum vertreten: So konnte im Gebiet ein Drittel des Artenspektrums der in Österreich vorkommenden Schmetterlinge nachgewiesen werden.