Grünes Band

Das GRÜNE BAND EUROPA - Vom Todesstreifen zur Lebenslinie

Der Eiserne Vorhang hat Ost- und Westeuropa fast vierzig Jahre lang geteilt und Kontakte zwischen Menschen auf beiden Seiten verhindert. Die Natur ergriff Besitz von diesen verlassenen Flächen, ein „Grünes Band“ entstand, in dem zahlreiche Tier- und Pflanzenarten ein Refugium zum Überleben fanden. Heute verbindet das von Murmansk am Eismeer bis nach Burgas am Schwarzen Meer laufende GRÜNE BAND die wertvollsten Lebensräume Europas miteinander. Das längste Biotopverbundsystem Europas ist gleichzeitig ein lebendes Denkmal europäischer Geschichte.

Das GRÜNE BAND NIEDERÖSTERREICH

Niederösterreich hat mit 408 km Grenze zu seinen Nachbarländern Tschechien und Slowakei einen beträchtlichen Anteil am GRÜNEN BAND EUROPA. Die Landschaftsvielfalt des Bundeslandes spiegelt sich auch durch die vielen unterschiedlichen Landschaftsräume an seiner Grenze wider.

Das nordwestliche Waldviertel ist gekennzeichnet durch seine Moore und Feuchtwiesen, seine naturnahen Fliessgewässer, Teiche, Schotter- und Sandgruben, naturnahen Wälder und durch ein reichhaltiges, extensiv bewirtschaftetes Kulturland mit Streifenfluren und Stufenrainen.
Ökologisch besonders wertvolle Teilbereiche des nordwestlichen Waldviertel wurden als Europaschutzgebiet „Waldviertler Teich-, Heide- und Moorlandschaft“ und „Waldviertel“ ausgewiesen.

Etwas weiter im Osten wird die Landschaft sanfter und offener: Das östliche Waldviertel ist eine von Stufenrainen, Hecken und Feldgehölzen durchzogene Kulturlandschaft. Sie bietet besonders Offenlandarten, wie z.B. der Wiesenweihe, einen geeigneten Lebensraum. Ein kleiner Teilbereich des östlichen Waldviertels ist Teil des Europaschutzgebietes „Waldviertler Teich-, Heide- und Moorlandschaft“.

Die Landschaft rund um Hardegg ist geprägt vom tief eingeschnittenen Flusstal der Thaya mit laubwaldreichen Hangwäldern, Wiesen, Trocken- und Halbtrockenrasen und Felsformationen. Das Thayatal bei Hardegg steht als „Nationalpark Thayatal“ unter besonderem Schutz und wurde zusätzlich als Europaschutzgebiet „Thayatal bei Hardegg“ ausgewiesen.

Im Weinviertel hat sich eine traditionelle Kulturlandschaft mit einer alten, vielfältigen Weingartenlandschaft erhalten. Vereinzelt sind artenreiche Trockenrasen, Fließgewässer und Feuchtlebensräume, Salzstandorte und Eichenwälder zu finden. Die Europaschutzgebiete „Westliches Weinviertel“, „Weinviertler Klippenzone“, „Pannonische Sanddünen“ und „Sandboden und Praterterrasse“ umfassen ökologisch besonders wertvolle Teilbereiche des Weinviertels.

Die March-Thaya-Auen zählen zu den bedeutendsten Feuchtgebieten Mitteleuropas. Die Flussschlingen der March und der Thaya haben ein breites Band wertvoller Aulandschaft und ausgedehnter Überschwemmungsflächen von internationaler Bedeutung geschaffen.
Aufgrund ihrer hohen ökologischen Bedeutung wurden die March-Thaya-Auen als Europaschutzgebiet „March-Thaya-Auen“ ausgewiesen. Zudem unterliegen sie als international anerkanntes Ramsar-Gebiet gemäß der Ramsar-Konvention zum Schutz der Feuchtgebiete einen besonderen Schutz.

Die Donauauen östlich von Wien sind das größte, weitgehend intakte Augebiet Mitteleuropas. Seine Lebensader ist die Donau, die den Nationalpark Donau-Auen auf rund 36 km freier Fließstrecke durchquert, durch ihre Dynamik eine große Bandbreite von Lebensräumen geschaffen hat und diese immer wieder neu gestaltet. Zusätzlich zur Ausweisung als Nationalpark wurde das Gebiet auch zum Europaschutzgebiet „Donau-Auen östlich von Wien“ erklärt.

Südlich der Donau liegen die Hainburger Berge. Trockenrasen, Trockenbrachen, Flaumeichen und Hainbuchenwälder und Weingärten kennzeichnen diese Großlandschaft am niederösterreichischen Grünen Band, die zum Teil als Europaschutzgebiet „Hundsheimer Berge“ ausgewiesen wurde. Die Steppenlandschaft Braunsbergs ist Teil des Europaschutzgebiets „Donau-Auen östlich von Wien“

 

GRÜNES BAND EUROPA – Quo vadis?


Einst am Rande gelegen, treten die Grenzregionen Europas immer mehr ins Zentrum vieler Interessen, darunter insbesondere auch wirtschaftlicher Art: Straßen werden gebaut, Wirtschaftsparks und Gewerbegebiete errichtet.

Damit diese Entwicklung im Einklang mit den Interessen des Naturschutzes und damit unter bestmöglicher Schonung der besonderen Tier- und Pflanzenwelt der Grenzregionen vonstatten geht, ist das Projekt „Greenbelt Europe“ entstanden. Alle 23 Länder, die am ehemaligen Eisernen Vorhang liegen, sind Teil diese einmaligen, von der Weltnaturschutzorganisation IUCN (International Union for Conservation of Nature)  koordinierten Projektes.
Die Ziele von „Greenbelt Europe“ sind:

  • die Sicherung und Verbesserung der besonderen Lebensräume und Arten im ehemaligen Grenzbereich,
  • die Erhaltung des Grünen Bandes als längsten Biotopverbund Europas und als lebendes Mahnmal der Geschichte
  • die Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit durch Vernetzung der im Naturschutz auf beiden Seiten der Grenze tätigen Menschen.

Der NATURSCHUTZBUND ist Teil der „greenbelt Community“ und bemüht sich um die Umsetzung des Projektes in Österreich. Näheres zu diesen Aktivitäten unter www.gruenesband.at und www.noe.naturschutzbund.at.

Das GRÜNES BAND EUROPA erleben

Viele Menschen unternehmen weite Reisen, um ihrer Sehnsucht nach naturbelassenen Landschaften nachzukommen. Doch auch vor unserer Haustür ist Natur hautnah erlebbar. Gerade die vielfältigen Landschaften am GRÜNEN BAND EUROPA bieten die besten Voraussetzungen für einen sanften Tourismus, der versucht, Einkommen und Beschäftigung in der Region zu schaffen, ohne die Umwelt und die lokale Kultur zu beeinträchtigen. Eine umweltfreundliche Fortbewegung zu Fuß oder mit dem Fahrrad, bei der die Natur zugleich auch viel intensiver erwandert bzw. erfahren werden kann, verleiht den Erlebnisreisen am GRÜNEN BAND einen besonderen Reiz. Mehr unter www.greenbelteurope.eu.

Der NATURSCHUTZBUND NÖ ist im Rahmen von Exkursionen und Vorträgen darum bemüht, die Besonderheiten der Lebensräume am Grünen Band Niederösterreich – sowohl in Niederösterreich, als auch in Tschechien und der Slowakei – gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen aus den angrenzenden Ländern erlebbar zu machen.
Näheres dazu unter www.noe.naturschutzbund.at oder unter 01-402 93 94.